Die AWO, Kreisverband Salzgitter, hatte es sich mit ihrem Kooperationspartner Fredenberg Forum zur Aufgabe gemacht, Frauen mit Migrationshintergrund zu schulen und auf einen Einstieg ins Arbeitsleben vorzubereiten. Es ging zunächst darum, den Frauen in einem wöchentlich stattfindenden Sprachkurs grundlegende Kenntnisse in Wort und Schrift zu vermitteln und ihnen in einer regelmäßig 1x die Woche stattfindenden interkulturellen Frauengruppe mit speziellen Themenangeboten die Möglichkeit zu geben, ihre erworbenen Kenntnisse in einem geschützten Rahmen anzuwenden und sich auszuprobieren. Der Spracherwerb sollte dazu beitragen, sich auf dem Arbeitsmarkt und im täglichen Leben besser orientieren zu können. Zusätzliche Schulungen und Informationsveranstaltungen sollten den Frauen neben dem Spracherwerb Wissen vermitteln, um dadurch die Möglichkeiten zur Aufnahme einer Berufstätigkeit zu verbessern. Darüber hinaus sollte ein spezielles Coaching-Angebot die berufliche Integration der Frauen fördern.
Erfahrungsbericht
Deutsch/Türkischer Sprachkurs im Rahmen des Projektes "Vorbereitungsmaßnahmen zum Einstieg in das Arbeitsleben"
Bei den Frauen, die jeden Freitagvormittag in die Räumlichkeiten des Fredenberg Forums kommen, sieht man schon nach wenigen Minuten Deutschunterricht die Köpfe regelrecht rauchen. Sie sind ehrgeizig und möchten die deutsche Sprache erlernen und korrekt beherrschen. Viele der Teilnehmerinnen, die zwischen 28 und 49 Jahren alt sind, hatten in der Vergangenheit jedoch durch Kindererziehung und andere familiäre Verpflichtungen nur wenige Möglichkeiten ausreichende Sprachkenntnisse zu erlangen. Einige schämen sich ihrer gebrochenen Aussprache und sprechen lieber gar nicht. Die Folge ist, dass viele dieser Frauen sich aus der deutschen Gesellschaft zurückgezogen haben und untereinander ausschließlich in ihrer Muttersprache kommunizieren.
Und genau an diesem Punkt setzt das Projekt an, da die auf dem Arbeitsmarkt geforderten Mindestkenntnisse der deutschen Sprache nach wie vor eine der größten Hürden für Frauen mit Migrationshintergrund sind. 14 Frauen begannen im April dieses Jahres den Vorbereitungskurs zum Einstieg in das Berufsleben in der Begegnungsstätte BRÜCKE, zu dem unter anderem der drei Stunden wöchentlich stattfindende Sprachkurs, geleitet von einer türkischstämmigen Dozentin gehört. Am 27. Oktober 2009 fand dann auch für vier hoch motivierte Frauen des Kurses eine Deutsch- Sprachprüfung (mündlich und schriftlich) nach EU- Referenzrahmen auf A1 Niveau in Braunschweig statt. Alle Frauen bestanden die Prüfung sehr erfolgreich und besitzen nun ein offizielles Zertifikat.
Zielsetzung war auch, dass die Frauen ihre freitags erlernten Sprachkenntnisse in einem geschützten Rahmen anwenden und sich ausprobieren können. Beim Frauenfrühstück, kreativen Angeboten, dem gemeinsamen Tanzen oder auch den Thementagen, die ein Mal wöchentlich im Rahmen des offenen Frauentreffs durchgeführt wurden, kamen die Frauen mit deutschen Frauen in Kontakt und sind mittlerweile immer besser in der Lage sich zu verständigen und sich auch bei Diskussionen in einem größeren Kreis einzubringen. Ein gutes Übungsfeld für eine spätere Berufstätigkeit.
Darüber hinaus bekamen sieben Frauen die Gelegenheit an einem Test zur Abfrage des beruflichen und sozialen Integrationsstandes teilzunehmen, welcher Grundlage für ein Coaching zum Einstieg in das Berufsleben ist. Die Interviews fanden im Zeitraum vom 23.Oktober bis 13.November 2009 statt und wurden in deutscher Sprache gehalten. Als Grundlage diente ein Interviewleitfaden, der eigens für diese Gespräche entwickelt wurde. Die befragten Frauen fühlen sich nach dem absolvierten Kurs relativ sicher, aber sie glauben nicht, dass ihre Deutschkenntnisse für das Berufsleben ausreichen. Sie würden ihr Deutsch daher gern in einem auf berufsspezifische Inhalte abzielendem Sprachtraining weiter verbessern und zwar in allen Bereichen (Hörverstehen, Leseverstehen, Grammatik, Schreiben, Konversation). Die Befragten, die alle in der Türkei die Schule besucht haben, haben das Problem der Nichtanerkennung ihrer Schulabschlüsse und bräuchten hier Unterstützung. Bei den Interviews zeigte sich weiter, dass die Frauen wenige Kenntnisse über Qualifizierungsmöglichkeiten (schulische Ausbildung/ betriebliche Ausbildung) haben und sich wenig mit den unterschiedlichen Beschäftigungsmöglichkeiten auskennen. Alle Befragten zeigen Bereitschaft, das Berufsleben im Rahmen eines, auch unbezahlten Praktikums oder Schnuppertagen in Betrieben, kennen zu lernen.
Von den 14 Frauen haben im Verlaufe des Jahres zwei eine Berufstätigkeit aufgenommen und zwei Frauen haben aus persönlichen Gründen bzw. Schwangerschaft den Kurs unterbrochen.
(Birgit Hynek)
Fotos aus dem Projekt
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Projektträger und Ansprechpartner
Arbeiterwohlfahrt, Kreisverband Salzgitter
Ulrich Hagedorn
Am Schölkegraben 1
38226 Salzgitter
Tel. 05341 - 43601
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